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Review: Film “Embrace” – und meine eigenen Erfahrungen mit dem Thema Bodyshaming

Letzten Donnerstag konnte ich mir den Film Embrace hier in Stuttgart auch im Kino anschauen. Die Vorschau und das Thema hatten wohl nicht nur mich neugierig gemacht – der Kinosaal war randvoll. Darin zählte ich etwa nur eine handvoll Männer (unter anderem meine Begleitung) und hätte diese zu gerne gefragt, ob sie “nur wegen der Freundin” hier waren oder tatsächlich um endlich das ständige “Frauengejammer” nachvollziehen zu können, wenn es um den eigenen Körper geht.

Für alle die noch nichts über den Film gelesen oder gehört haben, hier die offizielle Filmbeschreibung:

“Medien, Werbung und Gesellschaft geben ein Körperbild vor, nach dem wir uns selbst und andere immer wieder bewerten und verurteilen. Die australische Fotografin und dreifache Mutter Taryn Brumfitt wollte das nicht mehr hinnehmen. Sie postete ein ungewöhnliches Vorher/Nachher-Foto ihres fast nackten Körpers auf Facebook und löste damit einen Begeisterungssturm aus. Durch ihren Post, der über 100 Millionen Mal in den sozialen Netzwerken angesehen wurde, rückte sie das Thema Body Image in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Gleichzeitig befreite sie sich selbst von dem ungesunden Streben nach dem “perfekten” Körper. Mit ihrem Dokumentarfilm möchte Brumfitt allen, die unter den vermeintlichen Schönheitsidealen leiden, einen Gegenentwurf vorstellen: EMBRACE!

Taryn Brumfitt begibt sich auf eine Reise um den Globus, um herauszufinden, warum so viele Frauen ihren Körper nicht so mögen, wie er ist. Sie trifft auf Frauen, die ihre ganz eigenen Erfahrungen mit Bodyshaming und Körperwahrnehmung haben. Der Film inspiriert und verändert die Denkweise über uns und unsere Körper. Taryns Botschaft lautet: Liebe deinen Körper wie er ist, er ist der einzige, den Du hast! Zu den Protagonisten des Films zählt auch Nora Tschirner (KEINOHRHASEN, SMS FÜR DICH, Tatort: Weimar), die zugleich als Executive Producerin EMBRACE mitproduziert hat.”

Der Film an sich ging 90 Minuten in denen man Taryn auf ihrer Reise um die Welt begleitete und auf verschiedene Frauen traf, die alle eins gemeinsam hatten: Sie waren unzufrieden mit sich und ihrem Körper. Auslöser war bei vielen der Vergleich mit dem Frauenbild in den Medien und das (soziale) Umfeld – denn ganz ehrlich: Wer von uns hatte noch gar keine Erfahrungen mit “Bodyshaming”? Viele haben spätestens (!) in der Pubertät – in der man eigentlich Unterstützung erfahren sollte – Bodyshamingerlebnisse, die einen das restliche Leben verfolgen. Manche mehr, manche weniger – aber kaum eine Frau kommt je mehr wirklich ganz von den kritischen Gedanken weg.

Ich selbst bin inzwischen Ende zwanzig, aber mich verfolgen oft immernoch genau die Sachen, die als Kind und Teenie damals am meisten und als erstes bei mir kritisiert wurden. Ich finde meine Oberschenkel furchtbar und mag meine Brüste nur im BH. Mit knapp 12 Jahren war ich damals natürlich die erste in der Klasse, die in die Pubertät kam – wer das selbst erlebt hat oder bei anderen verfolgt hat weiß genau, dass das absolut kein Spaß ist. Von männlicher Seite durfte man sich ständig “Witze” über die eigenen Brüste anhören (inklusive Antatschversuchen – ohja, sehr witzig!) und von der weiblichen Seite kamen abfällige Kommentare über die “Schwangerschaftsstreifen” die man bereits mit 12 Jahren an den Oberschenkeln herumtragen durfte. Und um gleich mal mit dem Vorurteil aufzuräumen, das hätten nur “kurvige” Frauen: Nein! Ich war schlank bis durchschnittlich gebaut und hatte einfach das Pech im Besitz eines schlechten Bindegewebes zu sein. Und obwohl ich mich bereits damals viel bewegte und auch heute im Sport noch darum kämpfe, habe ich das Gefühl dass es zumindest nicht schlimmer wird, aber auch nicht viel besser. Kommentare wie “Mit ein bisschen Sport wird das alles fester!” höre ich vor allem von Frauen, mit denen ich mich über das Thema unterhalte. Ein “Ach komm, hab ich auch, alles nicht so schlimm – sieht doch trotzdem super aus!” höre ich dabei so gut wie nie. Kennt ihr das auch? Dabei sollte man gerade meinen, dass wir Frauen uns gegenseitig pushen sollten. Ich selber verteile gerne mal ein Kompliment, weil ich weiß dass diese uns einfach unglaublich viel geben können! Aber: Nur wenn sie wirklich ernst gemeint sind! Aber viel zu viele haben einfach nur was zu sagen, wenn es um negative Kritik geht. Verstehe ich nicht und konnte ich auch noch nie nachvollziehen.

Aber zurück zum Thema: Ich mache 2-3 die Woche Sport – Fitnessstudio, Aerial Hoop, Zumba. Im Sommer gehe ich zusätzlich noch oft in den Park oder laufe viele Kilometer bei einer Geocachingtour. Ich versuche viel Wasser zu trinken und nasche selten. Aber es reicht nicht. Ich mag meine Oberschenkel immer noch nicht. Sie sind nach wie vor wabbelig und ich bin deprimiert – wahrscheinlich müsste ich Bodybuilderin werden, um endlich glücklich damit zu werden. 😉 Und ja, das sage ich nachdem ich diesen Film gesehen habe! Ich glaube, man hätte mir bereits als Kind klar machen müssen, dass dieses Thema einfach nicht so wichtig ist und viele Leute müssten auch sich selbst klar machen, was sie mit einem kleinen Satz anrichten können. Egal ob Mann oder Frau. Aber wenn man sich erstmal fast zwanzig Jahre mit etwas herumquält und auch die Umwelt in dieser Zeit noch viel extremer wird (vergleicht mal damalige Frauenzeitschriften mit den heutigen – was damals vielleicht schon schlimm war, ist heute noch viel schlimmer!) – beinahe unmöglich, die eigene Gedankenstruktur nochmal zu durchbrechen.

Nichtdestotrotz fand ich den Film gut – es ist beruhigend (wenn auch mindestens genauso erschreckend!) dass man nicht alleine auf der Welt ist, wenn es um das Thema Selbstkritik am Körper geht. Der Film hat auch so viele verschiedene Frauentypen gezeigt und alle hatten ihre ganze eigene Story zu erzählen, sodass man wirklich nochmal realisiert, dass es sehr vielen in der Vergangenheit sehr ähnlich erging: Ein flapsiger Kommentar vom Freund zum Aussehen, fiese Sprüche in der Pubertät, gerade von anderen Frauen keine Unterstützung und Medien die schon schlanke Frauen noch unnatürlich schlank retuschieren (in der Pose keine Bauchfalte? Glaubt mir, das geht nicht! :D). Und obwohl wir uns gerade über letzteres im Grunde sehr bewusst sind, so versuchen viele doch irgendwie “ansatzweise” dahin zu kommen, weil das Frauenbild “groß, schlank, untergewichtig” einfach zu 99% in der Medienwelt auftaucht und alle es irgendwie als “Ideal” zu sehen scheinen – trotz allem! Dabei sehen nur 0,02% der Frauen wirklich so aus – natürlich ist es da unmöglich, selbst genau dahin zu kommen!
Generell hätte ich mir im Film aber auch noch etwas mehr Tiefgang und Details gewünscht, die uns Frauen endlich mal klar machen, dass diese ganze “Körperfixhierheit” nicht nur totaler Quatsch ist, sondern eben auch einfach unnötig! Das wir uns einfach öfter mal Komplimente zurufen sollten und zwar kein “Deine neue Handtasche ist sehr schick!”, sondern ein “Du siehst klasse aus!”. Und auch kein “Du siehst heute klasse aus!” sondern ganz generell! Es fehlt auch untereinander einfach oft an Rückhalt – egal ob man es einer Freundin zuruft oder einer flüchtigen Bekanntschaft – und ich glaube, das könnte enorm viel ändern. Was meint ihr? Habt ihr selbst schon euren inneren Frieden gefunden oder seit ihr an der ein oder anderen Stelle auch noch am hadern? Und: Habt ihr den Film schon gesehen? Ich freue mich auf euer Feedback, denn dieses Thema interessiert mich wirklich sehr! ♥

Tiere finden wir immer süß. Egal wie sie aussehen. Ein bisschen paradox oder? 😉

Info: Ab dem 18. Mai wird es den Film auch bei Amazon offiziell auf DVD zu kaufen geben – für alle die den Film nicht im Kino schauen konnten.

Shirt: Fuchsteufelswild

11 Comments
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11 Comments

  • Heidi Rabbach

    Nach Deinem Kommentar zu meinem Bügelspray neulich musste ich mich direkt mal bei Dir umsehen und bin mit Freude über diesen Artikel gestolpert. Ich war auch im Kino an diesem Abend und sehr berührt davon, dass es so voll war. Ich habe lange auf diesen Film gewartet und fand ihn unglaublich ermutigend. Was Du schreibst kommt mir sehr bekannt vor – schade und zugleich tröstlich, dass es den meisten Frauen mit diesem Thema so geht. Deinen Wunsch nach mehr praktischen Tipps im Film, wie man dieses kritische Denken loswerden kann, teile ich. Das könnten wir wohl alle gebrauchen. Für mich war der Film schon ein riesiger Anstoß, an die Ermutigung darin zu denken, wenn ich das nächste Mal kritisch mit meinem Äußeren ins Gericht gehe. Ich hoffe das hält noch eine Weile an 😉
    Liebe Grüße!

  • Lumi Elisabeth Herlinger

    Stimmig geschrieben, danke 🙂 (y)

  • Nicole

    Sehr schön geschrieben… Von dem Film habe ich schon einiges gehört und finde diesen recht interessant. Muss ich mir nachher mal einen Trailer anschauen, jetzt bin ich doch recht neugieirg darauf ^^.

    Alles liebe

  • Christin

    Du hast mir echt sehr Lust auf den Film gemacht und Gast ganz nebenbei ein wirklich tolles Thema angesprochen!

  • Jana

    Wirklich toll geschrieben! Ich muss mir den Film demnächst mal unbedingt anschauen. 🙂

  • Sarah

    Ich hab viel über den Film gehört aber es noch nicht geschafft ihn mir anzuschauen was ich aber definitiv noch tun werde. Finde das Thema sehr wichtig und deinen Beitrag richtig klasse geschrieben, danke dafür 🙂

    Liebste Grüße

    Sarah / http://sarahshopaholicc.blogspot.de/

  • Nadine von tantedine.de

    Oh I feel you! Schöner Post! Den Film möchte ich auch noch schauen aber ich glaube dass er leider nicht alle tun Umdenken bringt. Viele haben ein total falsches Bild von sich.
    Liebe Grüße Nadine von tantedine.de

  • Julia

    Du hast mich echt neugierig auf den Film gemacht! Ich finde Bodyshaming ist ein sehr wichtiges Thema. Denn es betrifft irgendwie jeden. Egal welche Figur, ob dick, dünn, welches Aussehen. Einen tollen Post mit super Gedanken!

    Liebste Grüße
    Julia
    http://diejuliy.com/

  • Christin-Celine Cassandra Langer

    Ahhhh… ich hab auch so einen grauen Schmusetiger… 🙂
    Embrace soll ein wirklich toller Film sein – Muss ich mir auch noch anschauen gehen 😉

  • Denise

    Ich glaube ich muss mir den Film doch ansehen! Jeder von uns hat eben diese Stellen die man nicht mag und das wird sich nie ändern außer wenn man sich selbst damit abfindet :)!

    Viele Grüße
    Denise von
    http://www.lovefashionandlife.at

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