Fotografie: “Ich bezahle doch nicht…!!!” – warum ‘TfPs’ und ‘Pays’ gleichermaßen ungut & gut sind…

Modelle sagen: “Nein, ich bezahle doch den Fotografen nicht (wenn es so viele andere auf TfP machen)!”
Fotografen sagen: “Nein, ich bezahle niemals ein Model (mein Equipment ist doch viel mehr wert als die Klamotten des Models)!”

Eigentlich sollte man meinen, damit wäre alles geklärt: Model zahlt nicht, Fotograf zahlt nicht => TfP?

Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Dabei ist alles eine Frage des “Gegenübers”.

Vorab mal zur “Fotografen-Seite”:
Natürlich sind Fotografen genervt, wenn ständig Modelle ihre “Ich bin am 1. April bei dir in XY – du kannst mich buchen für XY€.” Mails verschicken oder dergleichen.
Doch: Pauschal sehe ich die Rechnung “Meine Sachen sind mehr wert als deine” nicht immer zwingend zielführend. Natürlich ist eine Fotoausrüstung so gut wie immer teurer, als die Kleidung des Models. (Hmm, wobei ich zuhause immerhin auf eine Kamera mit Objektiv(en) komme, wenn ich mal zusammenrechne *lach*) Doch: Das Equipment macht nicht zwingend einen guten Fotografen aus, genauso wenig die Kleidung das Model. Da steckt doch viel mehr dahinter!
Wenn ein Fotograf sagt: Nö, ich bezahle keine Modelle (mehr), weil ich das Können und die Erfahrung habe oder einfach noch mit ein paar Anfängermodellen weiterüben möchte – klingt logisch. Nimmt keiner krumm.
Trotzdem stelle ich mir dann oft vor, wie Frau Coco Rocha vom Fotografen abgewimmelt wird: “Neeeee…mein Equipment ist doch viel teurer!” *lach*
Dabei ist die Rechnung doch sooo einfach: Beide Parteien arbeiten auf TfP, weil beide Parteien von den Aufnahmen profitieren und die Arbeit des jeweils anderen schätzen. Oder: Eine Partei sagt der anderen aus fotografischer Sicht nicht zu (beim Model kann es ganz schlicht und einfach “der Typ” sein) – eine Seite bezahlt, in dem Fall weil es dem Fotografen-Portfolio etwas bringt *genau* mit diesem Model zu arbeiten – coole Posings, abwechslungsreiche Mimiken, tolle Klamotten die nicht ganz von der Stange sind – wobei selbst H&M Sachen an einem richtig guten Model cool wirken können! – und einfach ein ansprechender Typ.
Natürlich: Wenn ständig Modelle anfragen, die weder das eine noch das andere haben und können und man sich denkt: “Nein, so gut ist sie einfach noch nicht, um honoriert zu werden.” – klar, mit der Zeit nervt es. Aber die Equipment-Aufrechnung hat damit – aus meiner Sicht – einfach mal begründungsmäßig nichts zu tun.

Zur “Model-Seite”:
Grundsätzlich gilt: Geht doch bitte nicht immer davon aus, dass jeder Fotograf kostenlos arbeitet – vor allem nicht, wenn es auf der Sedcard steht, die man (mal wieder) nicht gelesen hat! (um es wahrheitsgemäß und etwas zu verallgemeinert zu sagen)
Die Aussage “Ich zahle doch keinen Fotografen!” kann gerade einen Berufsfotografen doch sehr treffen und verärgern – genauso gut könnte ein Chef sagen: “Ich zahle doch meine Arbeitnehmer nicht! Denen macht die Arbeit doch Spaß und die kommen doch jeden Tag freiwillig wieder…!”
Natürlich muss man auch hier in erster Linie nochmal zwischen Hobby- und Beruf unterscheiden – aber auch da gilt zum Teil das oben geschriebene: Hat der Fotograf soweit sein Portfolio gut befüllt, muss man als Model den Fotografen direkt überzeugen können. Da reichen keine halben Sachen – nur coole Klamotten: toll. Mehr als 10 Posen und mehr als 10 Ausdrücke: auch toll. Aber nur eins von beidem dürfte dem erfahrenen Fotografen nicht reichen – da ist als Model also definitiv eine gute Selbsteinschätzung gefragt! Und vor allem kein “Das bekomme ich doch auch (irgendwie) hin!”, wenn man noch nichts in der Richtung vorzuweisen hat. Und im Endeffekt kann man prinzipiell zwar sogar alles nötige mitbringen, ist dann aber eben doch gerade nicht der passende “Typ”. Ja, Fotografie kann sehr oberflächlich sein – aber Fotografie ist ein stückweit auch Kunst und das “Kunstobjekt” muss eben zur Vorstellung im Kopf passen – immerhin will man als Fotograf das Bild nicht nur 80%, sondern mindestens 110% umsetzen! Mit einer Absage sollte man also bei einer Tfp-Anfrage *immer* leben können (und sich dessen vor einer Anfrage auch bewusst sein, anstatt bis ans Lebensende eingeschnappt zu sein ;)) und damit komme ich auch wieder zurück zum obigen Text: Natürlich ist die Auswahl an Fotografen, die oft oder ausschließlich auf TfP arbeiten groß – natürlich kann man sich sagen: Gehe ich halt woanders hin! Aber: Hat der Fotograf so tolle Arbeiten, dass es langfristig einfach eine gute Investition für dein Portfolio darstellt und die man nicht mal eben irgendwo ein zweites Mal so findet? Warum dann nicht wirklich mal über einen bezahlten Auftrag nachdenken? Fotos währen eine Ewigkeit – im Vergleich zu Essen, Technik, Klamotten und so vielem mehr, für das wir unendlich viel Geld übrig haben – gerade da sollte man doch eher bereit sein zu investieren, denke ich.
Und, gerade Berufsfotografen müssen von den Einnahmen leben können – das fängt mit Miete an, geht weiter mit den Versicherungen (die viel höher sind als bei einem normalen Angestelltenverhältnis) und natürlich kostet auch das Equipment einiges. Essen wäre von Zeit zu Zeit auch nicht schlecht, wenn man gerade mal nicht an Photoshop sitzt. Natürlich gibt’s da nichts zu verschenken. Und selbst die, die nur hobbymäßig fotografieren oder modeln, verlieren immerhin auch ihre kostbare (Lebens)Zeit dabei. Die grundsätzliche Haltung sollte daher bei jedem TfP nicht sein: “Juhuuu, ein kostenloses Shooting!”, sondern: “Wow, da investiert einer Zeit (und Geld) in mich – Danke!”. Und gerade ein “Danke” ist ja dann auch das Mindeste…und selbst das geht – leider – viel zu oft verloren, weil ja alles irgendwie ganz “selbstverständlich” geworden ist…

Fazit: Ganz grundsätzlich muss das “Niveau” (und ja – auch das ist eine sehr objektive Sicht) der beiden Parteien zusammenpassen. Tut es das nicht (und es reicht, wenn es eine Seite der beiden Seiten so sieht ;)), dann kommt man eben nicht zusammen oder über eine bezahlte Arbeit. Eigentlich sooo einfach, wenn die Leute endlich mal lockerer werden würden – nicht jedes “Nein” persönlich nehmen würden (denn: das ist es nicht! Ich schreibe so vielen Leuten “Nein”, obwohl ich sie mag oder sogar persönlich kenne – aber Arbeit ist Arbeit und privat ist privat! Und das sind im Normalfall zwei paar Stiefel ;)). Und ja, das hier ist vor allem auch meine persönliche Sicht der Dinge (ist klar – mein Blog :p). Aber trotzdem liebe Leute: Keep calm and take photos!

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